Luxemburgs Fondsbranche schwillt auf €5,95 Billionen an, während Aufsichtsbehörden auf Vereinfachung ohne Deregulierung drängen
Ein widerstandsfähiges Fondsökosystem, sich verschärfender Wettbewerb mit Irland und eine vorsichtige Haltung gegenüber zentralisierter EU-Aufsicht: Luxemburgs Finanzaufsichtsbehörden skizzierten einen Markt im Wandel, mit steigenden Steuereinnahmen und einer Aufsichtsphilosophie, die fest im Pragmatismus verwurzelt ist.
Fondssteuereinnahmen steigen trotz weniger Fonds
Luxemburgs Fondssektor verankert weiterhin die öffentlichen Finanzen. Die Abonnementsteuereinnahmen werden voraussichtlich von €1,28 Milliarden im Jahr 2024 auf €1,35 Milliarden im Jahr 2025 steigen — eine Steigerung von etwa 5%. Parallel dazu wird geschätzt, dass Investmentfondsmanager rund €1 Milliarde über die Körperschaftsteuer (l’Impôt sur le revenu des collectivités (IRC)) beitragen, was die gesamten sektorbezogenen Einnahmen auf €2,3 Milliarden bringt, einen erheblichen Anteil am Staatshaushalt.
Interessanterweise fiel die Anzahl der in Luxemburg domizilierten Fonds Berichten zufolge von etwa 3.200 vor einem Jahr auf heute 3.100. Dennoch stiegen die verwalteten Vermögenswerte und erreichten Ende August 2025 €5,95 Billionen, was Konsolidierungs- und Skaleneffekte widerspiegelt. Zweiundfünfzig neue Fondsanträge befinden sich derzeit in Prüfung, was auf eine stetige Pipeline-Dynamik hinweist.
ETF-Führerschaft neigt sich Irland zu; Luxemburg setzt auf Alternatives
Gesetzgeber untersuchten die Wettbewerbsdynamik zwischen Luxemburg und Irland — die zusammen etwa zwei Drittel des europäischen Fondsmarktes repräsentieren — und stellten Irlands schnelleres Wachstum bei Fondsregistrierungen fest. Die CSSF hob hervor, dass die ETF-Expansion derzeit Irland begünstigt, unterstützt durch ein US-irisches Doppelbesteuerungsabkommen, das diesen beliebten Produkten zugutekommt.
Luxemburg hingegen scheint gut positioniert in Alternatives, Private Finance und Private Equity — Segmenten, die in der europäischen Vermögensverwaltungslandschaft zunehmend einflussreich geworden sind. Die Neigung deutet darauf hin, dass Luxemburg auf komplexe, margenstärkere Strategien setzt, anstatt ETF-Skalierung zu verfolgen.
Skepsis gegenüber zentralisierter ESMA-Aufsicht
Auf regulatorischer Ebene äußerte die CSSF Vorbehalte gegenüber Vorschlägen, zulässige Anlageprodukttypen einzuschränken und die Aufsicht unter der ESMA in Paris zu zentralisieren. Vertreter argumentierten, dass Fonds regionale Besonderheiten einbetten, die schwer unter einer einzigen Behörde zu standardisieren sind, ohne einen sehr großen und kostspieligen Apparat. Sie betonten, dass europäische Aufsichtsbehörden bereits umfassend durch gemeinsame Aktionen, Peer-Reviews und Aufsichtskollegien zusammenarbeiten — was impliziert, dass Koordination, nicht Zentralisierung, am besten zu den aktuellen Gegebenheiten passt.
Mobilisierung von Haushaltsersparnissen: Europas SIU-Ambition
Das Projekt Spar- und Investitionsunion (SIU) zielt darauf ab, europäische Haushaltsersparnisse in die Realwirtschaft zu lenken, einschließlich Sektoren wie Verteidigung und Digitalisierung. Da derzeit nur etwa 10% der Ersparnisse auf diese Weise investiert werden — im Vergleich zu etwa 40% in den Vereinigten Staaten — diskutierten politische Entscheidungsträger die Vorzüge eines EU-weiten “RAU”-Rahmens (avantages fiscaux selon les investissements), der Steuervorteile basierend auf Investitionsentscheidungen bietet.
CSSF-Vertreter unterstrichen, dass der Erfolg einer solchen Initiative von verbraucherfreundlichen Produkten abhängt. Komplexität bleibt ein Haupthindernis; verständliche, standardisierte Privatkundenangebote werden wesentlich sein, um Vertrauen und Akzeptanz aufzubauen.
Krypto-Unternehmen: Qualität über Quantität
Luxemburg hat derzeit drei zugelassene Krypto-Asset-Verwaltungsunternehmen, wobei sechzehn Anträge geprüft werden. Die CSSF bekräftigte, dass die Qualität der Antragsteller zentral für Zulassungsentscheidungen ist. In einem Markt, der sich unter MiCA und umfassenderen internationalen Standards noch entwickelt, deutet Luxemburgs Haltung auf einen gemessenen Ansatz hin: Offenheit, gemildert durch strenge Torwächterschaft.
Banken willkommen, aber keine Rückkehr von Schutzmaßnahmen nach 2008
Im Bankensektor bleibt das Interesse an Luxemburg stabil, wobei durchschnittlich etwa ein halbes Dutzend Lizenzierungsverfahren im Gange sind. Gesetzgeber fragten, ob Verfahren vereinfacht werden könnten. Die CSSF antwortete, dass die heutigen Regeln — vor allem Kapital- und Liquiditätsanforderungen — ein direktes Ergebnis der Krise von 2008 sind und wesentlich bleiben, um das Vertrauen der Einleger und die Stabilität des Sektors zu schützen.
Allerdings sehen Aufsichtsbehörden Vorzüge darin, die schiere Menge an Regeln zu überprüfen, um veraltete oder doppelte Anforderungen zu identifizieren. Das erklärte Ziel: den täglichen Betrieb straffen, ohne aufsichtsrechtliche Verteidigungen zu schwächen oder in Deregulierung abzurutschen, was sie als falschen Weg betrachteten.
Sanktionsarchitektur: CSSF offen für Veränderungen, mit Geschwindigkeitsvorbehalt
Derzeit untersucht die CSSF, verhängt Sanktionen und zieht Bußgelder für Verstöße gegen Finanzvorschriften ein. Gesetzgeber haben diese Konfiguration hinterfragt. Die CSSF gab an, keine Präferenz und keinen Einwand gegen eine Änderung des Systems zu haben, und merkte an, dass sie Bußgeldeinnahmen nicht in ihrem Haushalt verwendet. Wenn jedoch Sanktionierung und Bußgeldeinziehung auf eine andere Behörde verlagert würden, betonte die CSSF, dass sich die Verfahrensfristen nicht um “ein oder zwei Jahre” dehnen dürfen.
Haushaltskontext: Ausgaben des Finanzministeriums sollen steigen
Vor diesem Hintergrund weist der Haushaltsentwurf 2026 dem Finanzministerium €1,553 Milliarden zu, ein Anstieg von 7,6% im Jahresvergleich, der laufende und Kapitalausgaben abdeckt. Der Anstieg steht im Einklang mit der wachsenden Größe und Komplexität der Finanzaufsicht und politischen Initiativen.
Was es für Finanzkriminalität und Compliance bedeutet
- Kontinuität der Durchsetzung mit Raum für strukturelle Anpassungen: Luxemburgs Offenheit für die Neuzuweisung von Sanktionsverantwortlichkeiten — vorausgesetzt, es verlangsamt Fälle nicht — signalisiert einen Fokus auf Durchsetzungseffizienz statt institutionellem Revierdenken. Für Compliance-Teams gilt: Erwarten Sie ein anhaltendes Tempo von Maßnahmen und keine Erleichterung in der Ermittlungsstrenge.
- Alternatives im Aufstieg, ETFs gravitieren nach Irland: Unternehmen, die Domizilierungsstrategien bewerten, sollten Steuerabkommensauswirkungen für ETFs gegen Luxemburgs Stärken in Alternatives abwägen. Die Verschiebung kann Risikoprofile und Kontrollen verändern, wobei komplexe Strategien verstärkte Governance- und Bewertungsaufsicht erfordern.
- Keine Neigung zu deregulatorischen Abkürzungen: Die Haltung der CSSF — vereinfachen, wo sinnvoll, aber Schutzmaßnahmen nach der Krise bewahren — deutet auf anhaltende Betonung von Liquidität, Kapital und Risikomanagement hin. Compliance-Programme sollten Widerstandsfähigkeit über Minimalismus priorisieren.
- Vorsichtige Zentralisierung: Widerstand gegen ein Einheitsregime der ESMA legt nahe, dass lokales Fachwissen entscheidend bleiben wird. Grenzüberschreitende Unternehmen sollten sich auf fortgesetzte multijurisdiktionale Aufsichtsengagement vorbereiten, anstatt auf ein einziges Regelwerk, das von Paris durchgesetzt wird.
- Mobilisierung von Privatkunden erfordert Klarheit: Wenn SIU/RAU-Konzepte voranschreiten, werden Verbraucherschutz und Produkttransparenz zentral sein. Erwarten Sie stärkere Offenlegungen, standardisierte Risikokennzeichnung und Eignungsrahmen — Bereiche, in denen Fehlverhaltensrisiko (Fehlverkauf, irreführendes Marketing) Prüfung anziehen wird.
- Krypto-Genehmigungen: Qualitätsfilter bleiben eng. Antragsteller sollten rigorose AML/CFT-Erwartungen, Verwahrungskontrollen, Governance-Checks und operative Resilienzanforderungen erwarten, konsistent mit der konservativen Haltung der Jurisdiktion.
Luxemburgs Regulierungsbehörden projizieren eine klare Botschaft: Wachstum begrüßen, besonders in anspruchsvollen Anlageklassen, aber die Leitplanken fest an Ort und Stelle halten. Für Finanzkriminalitätsfachleute bleibt die Landschaft diszipliniert, mit effizienzorientierten Verfeinerungen des Prozesses statt einer Lockerung der Regeln.
Tiefer eintauchen
- Chambre des Députés ¦ Budget 2026 : les analyses de la CSSF sur les secteurs des banques et des fonds d’investissement ¦ Link